Bye-Bye Management! Ein offener Brief zum Ausweg aus der Finanzkrise
Leben Sie auch in einer Welt, in der gerade alles zusammenbricht? In der die schönen, fetten Jahre vorbei sind und die Zukunft eher wie eine dunkle Sturmfront wütend über Ihren Ersparnissen und Hoffnungen grollt? Haben Sie das Gefühl, im Moment läuft so Einiges daneben - ja sind Sie sich dessen sogar sicher?
Gut, dann gehen Sie doch mit uns ein wenig vor die Tür und lernen Sie unsere Welt kennen: Der Himmel strahlt in leuchtendem Blau, die Wiesen erstrecken sich in saftigem Grün, ein Bächlein plätschert friedlich glitzernd vor sich hin. Passanten, die uns begegnen, grüßen freundlich, bevor sie uns in ein ermutigendes Gespräch über unsere tolle Zukunft verwickeln. Bei aufregenden, positiven, zukunftsweisenden Begegnungen merken wir, dass jetzt eine gute Zeit ist, um etwas Neues anzupacken. Eine Zukunft, die uns alle braucht. Ausnahmslos. Geben Sie die Hoffnung nicht auf: Sie können etwas tun!
Wir möchten eine andere Sicht der Finanzkrise mit Ihnen teilen. Eine, von der wir glauben, dass sie Bestand hat.
- Die wirkliche Krise liegt nicht etwa darin, dass Milliarden von egal welcher Währung verschwunden sind (oder gewandert - denn „weg“ sind sie ja nicht!).
- Es ist keine Krise, dass Manager hohe Gehälter und unverschämt großzügig erscheinende Abfindungen erhalten.
- Die Krise besteht auch nicht darin, dass viele jetzt wieder von vorne anfangen müssen, für die Ausbildung der Kinder, die Altersvorsorge oder das neue Auto zu sparen.
- Und es ist bestimmt keine Krise, dass ganze Staaten drohen, an der kollektiven Dummheit der vergangenen Jahre ärmer zu werden.
Die eigentliche Krise ist, dass partout nichts aus der Krise gelernt werden will. Derzeit wird versucht Schuldige auszumachen, um diese - wenn möglich - zu bestrafen. Ist das geschehen, dann können wir wieder so tun, als hätten wir alles unter Kontrolle. Um dann genau so weiter zu machen wie bisher. Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass wir uns den Abgrund, der uns aus allen Zeitungen, Radios und Nachrichtensendungen hämisch entgegenlacht, selbst zuzuschreiben haben? Dann gehen Sie mit uns auf eine gedankliche Reise in eine Welt jenseits von Dotcom-Blasen und Immobilien- Zockern. Schauen wir uns einmal die scheinbar Schuldigen an und lernen wir gemeinsam Alternativen zum heutigen Denken kennen.
Management go home! Was wir ändern müssen. Unsere These lautet:
Es fehlt auf den globalen Finanzmärkten weder an angemessener Gesetzgebung.
Noch an „guten“ Bankern.
Noch an Aufsicht.
Noch an Kontrollen.
Noch an generellem Instrumentarium für Transparenz.
Noch an vernunftbegabten und zu ethischem Handeln fähigen Menschen.
Es gibt einen entscheidenden Grund für die derzeitige Krise auf den Finanzmärkten. Und der heißt: Management. Nicht die Manager stehen einem besseren Wirtschaften und einer besseren Finanzwirtschaft im Wege (denn mit den wenigen Kriminellen wird die Weltwirtschaft leicht fertig) - sondern die Art, wie Organisationen heute immer noch gemanagt werden:
- Management als Funktion droht Mitarbeitern fortwährend durch die direkte Beziehung zwischen Zielen und Geldbeutel - und behandelt sie dadurch wie postmoderne Sklaven.
- Management verhindert bewusst und gewollt den eigenverantwortlichen Umgang mit Informationen, Wissen und Nichtwissen.
- Management ist in sich ein korruptes Machtspielchen in Schwarzer-Peter-Manier, bei der es einfacher ist, einen anderen anzuschwärzen, als selbst gut zu sein.
- Management bedeutet Menschen anhand formeller Machtkriterien zu beherrschen. Die Macht ist fest verteilt und wer Macht hat, bedarf keiner sinnvollen Gründe für sein Handeln.
- Management muss immer den Eindruck aufrecht erhalten, die Kontrolle zu haben. Selbst wenn, wie zur Zeit, alles aus den Fugen ist. Management nennt das dann „Vertrauen bilden“, handelt aber zutiefst misstrauisch.
- Management steht sinnvollen Veränderungen in der Führung und Steuerung von Organisationen entgegen - weil es weiß, dass es selbst das Problem ist, zu dessen Lösung es sich berufen fühlt.
Die Alternative funktioniert so:
- Ziele und Einkommen konsequent voneinander trennen - und damit die Anwendung "relativer" Ziele und Leistungsverträge, die keinerlei Anreiz zu egoistischem, kurzfristigem und unethischem Verhalten geben.
- Informationstransparenz herstellen, die alle dazu zwingt, ihre Fähigkeit zu denken einzusetzen und die konsequent Machtspielchen aufgrund von Informationsmanipulation erstickt.
- Einen klaren, ungefilterten Blick auf die Zugkräfte herstellen, die eine Organisation beeinflussen - von jeder Stelle in der Organisation aus.
- Eine konstruktive Kultur des Nichtwissens etablieren: Zukunft ist nie voraussagbar. Und Nichtwissen ist nicht nur ein Problem, sondern auch Ressource. Jede gute Antwort ist die Folge einer noch besseren Frage.
- Die Balance zwischen unserem Verstand und unserer Intuition herstellen: Dazu muss unsere Intuition professionalisiert und die Unternehmenskultur befreit werden vom illusionären Glauben an Planzahlen, Ziele und anderen so genannten Fakten.
- Aus einer Gemeinschaft heraus den selbstbewussten Blick auf den externen Wettbewerb richten, ohne ständig der Angst ausgesetzt zu sein, dass man intern politisch angegriffen wird oder im nächsten Soll-Ist-Vergleich wieder schlecht da steht.
- Sinnvoll und begründet handeln, wie es im Hier und Jetzt notwendig ist, ohne Furcht, dass nachträglich Schuld zugewiesen wird und Köpfe rollen, wenn mal etwas schief geht.
- Führung aus der Situation heraus entstehen lassen - nicht fixiert den immer selben Menschen zuordnen.
Ein Aufruf an uns selbst!
Angesichts der Finanzkrise bedarf es einer anderen Form der Führung und Steuerung. Wir sollten uns nicht damit aufhalten, nach Schuldigen an der derzeitigen Finanzkrise zu suchen. Denn das bringt uns nicht weiter. Was wir brauchen, ist ein „Management ohne Management", so dass unternehmerisches Denken und Handeln allgegenwärtig sind, wodurch dann auf Weisung und Kontrolle verzichtet werden kann.
Diese neue Art zu Führen existiert bereits - in einigen Ausnahmeorganisationen ist sie Standard. Viele Management-Vordenker haben sie treffend beschrieben. Es ist die Kunst ohne Manager zu führen, ohne zentrale Machtkonzentration, ja sogar ohne Planung. Stattdessen mit dezentraler Verantwortung, mit Transparenz und Sinn-voll denkenden und handelnden Menschen.
Wir stehen für die Veränderung von Herrschaftsstrukturen in Unternehmen. Wir kennen Wege aus der Misere und freuen uns, sie mit Ihnen zu teilen. Jetzt kommt es auf uns alle an. Wir haben eine Zeit erreicht, die Veränderung möglich macht. Wir wollen sie nutzen. Sie auch?
Was können Sie tun? Leiten Sie den unten stehenden offenen Brief weiter. Schreiben Sie uns eine Nachricht, rufen Sie uns an, geben Sie uns allen die Möglichkeit, Teil eines großen Ganzen zu sein!
Eine Langfassung dieses offenen Briefes lesen Sie als Essay im Online-Magazin changeX: http://changex.de/d_a03076.html
Gebhard Borck, Niels Pfläging, Dr. Andreas Zeuch
Für mehr Informationen: Website des Beyond Budgeting Transformation Network: www.bbtn.org Diskussionen über Beyond Budgeting: www.xing.com/net/beyondbudgeting

