Was ist die moderne Rhetorik?
Wieso Barack Obama die Massen begeistert liegt unter anderem daran, dass er es versteht die moderne Rhetorik bewusst einzusetzen. In diesem Artikel erkläre ich Ihnen den grundlegenden Unterschied zwischen der klassischen und der modernen Rhetorik.
Die moderne Rhetorik
Das Wort Rhetorik kommt aus dem Griechischen und bedeutet“Redekunst“. Ihre Wurzeln hat die Rhetorik, wie wir sie heute kennen, in den Stadtstaaten des antiken Griechenlands, wo männliche Bürger einst durch Redebeiträge Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen konnten. Wem es gelang, andere durch seine Redekunst von seinen Anliegen zu überzeugen, der gewann an Einfluss und konnte seine Interessen durchsetzen. Viele suchten daher Rhetoriklehrer auf und erlernten bei ihnen die Feinheiten dieser Kunst. Bereits damals entstanden erste Lehrbücher, in welchen die Regeln überzeugender Vorträge festgehalten wurden.
In den rund 2.500 Jahren, die seitdem vergangen sind, haben sich zwei grundsätzliche Richtungen der Kunst der Rede herauskristallisiert und weiterentwickelt. Die allgemeine Rhetorik beschäftigt sich mit der Beobachtung rhetorischer Sprechakte, also der theoretischen Untersuchung rhetorischer Vorgänge. Teils im Gegensatz, teils als Ergänzung dazu steht die angewandte oder praktische Rhetorik, die sich mit der Übung beschäftigt – mit der Redeausbildung und dem Anwenden der rhetorischen Grundelemente.
Oft hört man heutzutage den Begriff der“modernen Rhetorik“, gern im Gegensatz zu dem der“klassischen Rhetorik“ mit ihren vergleichsweise starren Regeln. Was genau diese moderne Rhetorik umfassen und was sie von ihrem Klassik-Vorgänger abgrenzen soll ,ist jedoch nicht klar definiert. Sicher ist nur, dass die Hirnforschung bestätigt, dass Emotionen und bildhafte Vorstellungen unser Handeln und unsere Entscheidungen grundlegend zu lenken vermögen. Darauf bauen moderne Redner und die meisten Techniken und Methoden der sogenannten modernen Rhetorik sind darauf ausgerichtet, Zuhörer vor allem auf der emotionalen Ebene anzusprechen und sie durch gute Unterhaltung zu begeistern. In gewisser Weise ist also die viel zitierte moderne Rhetorik vergleichbar mit dem Einpacken von Geschenken zu Weihnachten: Sie lehrt das richtige Verpacken, das Schleifenbinden und Dekorieren. Und ganz genau so, wie man zu Weihnachten den besten Inhalt im schönsten und am elegantesten verpackten Geschenk erwartet, verhält es sich auch mit der Rede: je spannender ich sie als Redner gestalte, umso strahlender funkelt mein Anliegen, umso interessanter erscheint es dem Zuhörer, umso begehrenswerter wirkt das Erreichen des vermittelten Zieles.
Hier kommt aber auch die Ethik der Rhetorik ins Spiel. Ist es legitim, das rhetorische Spiel bis zur Manipulation zu treiben? Bestimmt nicht. Aber sicher ist auch, dass es nicht die rhetorischen Stilmittel sind, die ein“sprachliches Verbrechen“ begehen, sondern immer die Redner.

