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Protokollarisch korrekte Anreden

Artikel von Klaus Egger , Besuche: 1322

Eine vielgestellte Frage in den Seminaren ist die nach der korrekten Anrede. Viele Menschen haben dabei Zweifel und wissen nicht so richtig wie Sie diese handhaben sollen. Wichtig ist zuerst zwischen der Anrede und dem Einstieg zu unterscheiden.

Der Einstieg ist einer der wichtigsten Momente Ihrer Rede. Zu Beginn werden Sympathien verteilt oder nicht. Deshalb gilt es dort einige Regeln zu beachten. Die Anrede hingegen hat nur protokollarische Funktionen – sie soll eine freundliche Atmosphäre schaffen, in der die Rede wohlwollend aufgenommen wird. Wie das gelingen kann ist in keiner Regel festgelegt: Wird jemand durch die Anrede verstimmt, war sie falsch. Sind alle zufrieden, war sie richtig.

So wie ein „Zahlen- und Faktengrab“ in der Rede ermüdet, so kann auch ein „Namengrab“ an ihrem Beginn die Zuhörer langweilen. Je mehr Personen der Redner erwähnt, desto mehr Leute mögen sich fragen: Warum ich eigentlich nicht? Noch schlimmer wird es natürlich wenn weniger wichtige Personen genannt und Wichtige vergessen werden.

Oft ist freilich nicht zu umgehen, herausgehobene Personen zu erwähnen. Versuchen Sie, deren Anzahl auf drei zu beschränken. Generell können Sie sich auf folgende Reihenfolge orientieren:

  • Geistlich vor weltlich
  • Gewählte (in Politik wie in Unternehmen) werden vor Ernannten begrüßt
  • Staats- vor Landespolitikern vor Gemeindepolitiker; Ausnahme: Dem Bürgermeister als dem höchsten Repräsentanten der lokalen Öffentlichkeit kann eine besondere Rolle zukommen
  • Gäste aus dem Ausland – oder entsprechend: aus anderen Städten oder Gemeinden – werden vor den einheimischen begrüßt. Das gebietet die Höflichkeit als Gastgeber und honoriert außerdem den (mehr oder weniger) weiten Weg, den der Besucher auf sich genommen hat.
  • Mit dem Chef gelten alle seine Mitarbeiter als begrüßt
  • Bei Ranggleichheit ergibt sich die Reihenfolge nach dem Lebens- oder Dienstalter
  • Eine andere Reihenfolge kann sich aus dem Zweck der Rede ergeben: Bei einer Geburtstagsrede ist das Geburtstagskind, bei einer Jubilarrede der Jubilar die Ehrenperson
  • Persönliche Beziehungen des Redners zu einzelnen Zuhörern können bei der Rangfolge eine wichtige Rolle spielen, also die Eltern, der Ehepartner oder der Doktorvater

 

Weitere Tipps:

In der Rede wird die gleiche Sprache wie im normalen Umgang praktiziert. Ein Duz-Freund, -kollege, -chef oder –mitarbeiter wird auch in „offizieller“ Rede mit „du“ angeredet. Wer einen anderen stets beim Vornamen nennt, sollte das auch bei der Rede tun.

In offiziellen Kreisen nicht nur das Amt ansprechen, sondern den Namen hinzufügen: nicht „Herr Bürgermeister“, besser: „Herr Bürgermeister Maier“.

Akademische Grade sind Namensbestandteil, aber nur der Höchste: Nicht „Sehr geehrter Herr Professor Dr. Müller“ – „Dr.“ ist überflüssig.

Adelstitel sind ebenfalls Namensbestandteile. „Sehr geehrter Graf Westerholt“. Keinesfalls „Herr Graf“ oder „Herr Graf Westerholt“ sagen.

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