Kann oder soll man Reden wortwörtlich schreiben?
Die meisten ungeübten oder unerfahrenen Redner schreiben sich Ihre Reden wortwörtlich auf. Heute erkläre ich Ihnen zwei Gründe wieso Sie dies nicht mehr tun sollen:
1. Grund
Stellen Sie sich vor: Sie haben Ihre Rede perfekt ausformuliert auf einem Blatt niedergeschrieben. Haben die schönsten Wörter gesucht und sehr lange an den Formulierungen gefeilt. Dann haben Sie begonnen die Rede einzustudieren. Einmal, zweimal, dreimal... bis Sie sie auswendig konnten. Am Tag X beginnen Sie zu reden. Und nachdem Sie merken, dass Sie die Rede fast auswendig können, schauen Sie kaum mehr auf Ihr mitgebrachtes Blatt. Schließlich hat man Ihnen beigebracht ins Publikum zu blicken.
Doch auf einmal verschlucken Sie sich, die zwei Herren in der ersten Reihe schmunzeln komisch, das Mikrofon setzt kurz aus, der Kellner stößt ein Glas um,... was auch immer, Sie verlieren den Faden. Jetzt blicken Sie verzweifelt auf Ihr Blatt. Und suchen und suchen und suchen. Ihre Gedanken: "Wo ist die verd....te Stelle!" Die Folge: Ihre Souveränität, die Sie sichmühsam aufgebaut haben, ist in einem Bruchteil einer Sekunde dahin.
2. Grund
Redner die Ihre Reden wortwörtlich schreiben, bedenken meist nicht, dass es eine Schriftsprache und eine gesprochene Sprache gibt. Bis Mitte der 60er Jahre galt im deutschsprachigen Raum der Satz der Schriftsprache als Norm auch für die gesprochene Sprache. Erst zu Beginn der 70er erkannte und studierte man die Besonderheiten der gesprochenen Sprache. So wie die Wörter und Sätze in Büchern stehen, so sprechen wir Sie in der normalen Kommunikation zwischen uns Menschen eben nicht aus. Unterschiede finden sich:
- Interjektionen (minimale sprachliche Rückmeldungen der Angesprochenen)
- Ellipsen (sind unvollständige Sätze die nur in der gesprochenen Sprache vorkommen)
- Satzstrukturen sind (teils vollkommen) anders aufgebaut
- Lexikalische (durch Laute repräsentierte) Hörer- und Sprechersignale, wie zum Beispiel „äh“, „öh“, „also“ und „nicht wahr“ sorgen in der mündlichen Kommunikation dafür, dass die Portionierung einer Äußerung in kleinere Einheiten möglich gemacht
- Einleitungsfloskeln wie „Ich meine..“, „ich denke, dass..“
Zusätzlich benutzen Sie bei der Rede sehr wichtige Elemente wie Körpersprache, Stimmmodulationen, Sprechpausen, Sprechdynamiken.
Sie können also gar nicht authentisch wirken, wenn Sie Ihre Reden vorschreiben. Jetzt haben Sie zwei Möglichkeiten:
Entweder Sie sprechen sich die Rede vor, nehmen Sie auf Band auf und schreiben sie so nieder (was Ihnen aber immer noch nicht das Problem des 1. Grundes löst) oder
Sie arbeiten mit Redekärtchen. Und wie das geht erkläre ich Ihnen das nächste Mal.

