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Die Checkliste für eine Rede, die wirkt

Artikel von Klaus Egger , Besuche: 732

Wann ist eine Rede wirklich fertig? Wahrscheinlich nie. Immer wird es Punkte geben, von denen Sie glauben, sie nicht vollständig ausgeführt zu haben. Speziell in der modernen Rhetorik wird es zu Beginn auch immer wieder Momente geben, in denen Sie denken: „Das kann ich doch nicht machen“ oder „Aber das macht ja niemand so.“ Setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck, und beginnen Sie langsam und mit Ihrem Tempo. Die Checkliste hilft Ihnen dabei, keinen Punkt für Ihre perfekte Rede zu vergessen. Wenn Sie die fertige Rede durchgehen, stellen Sie sich folgende kritische Fragen und seien Sie imstande diese zu beantworten:

 

1.  Botschaft

- Wie heißt meine Botschaft?

- Ist dies die richtige, dem Publikum angemessene Botschaft?

- Wird diese Botschaft den Zuhörern (gegebenfalls der Presse) klar? Könnte ich missverstanden werden? Besprechen Sie die Botschaft bei wichtigen Reden eventuell mit einem Kollegen oder Vorgesetzten.

2.  Einleitung

- Habe ich mit meiner Einleitung die Aufmerksamkeit meiner Zuhörer gewonnen?

- Ist die Einleitung persönlich, knackig, humorvoll, provokativ, direkt? Besonders hier gilt: kurze Sätze!

- Habe ich gängige Floskeln und steifes Getue vermieden wie etwa:

     - „Wir haben uns heute hier versammelt, um…“
     - „Es ist mir eine große Ehre und Freude, heute hier vor Ihnen sprechen zu dürfen …“
     - „Ein großer Mann sagte einmal …“

3.  Hauptteil

- Bringe ich Interessantes?

     - Bin ich klar und einfach in meiner Sprache? Bleibe ich glaubwürdig? Ist die Rede nicht länger als unbedingt nötig?

     - Habe ich brauchbare eigene Gedankenarbeit geleistet?

     - Habe ich womöglich Phrasen gedroschen?

- Fragen Sie sich beim Durchlesen: Warum sage ich das? Was meine ich damit?

- Und vor allem: Ist das für diese Zuhörer zu dieser Zeit in dieser Situation interessant? (Publikumsorientiert!)

Mögliche Antworten:

- Der Redetext bringt meine Botschaft voran.

- Meine Rede stärkt das Vertrauen in

- meine Kompetenz,

     - meine Führungsstärke,

     - meine Glaubwürdigkeit und

     - bringt mir menschliche Sympathiepunkte ein oder

     - … erreicht nichts von alledem, bedient nur meine eigene Eitelkeit.

- Zücken Sie gern den Rotstift: Wenn etwas nicht stimmig ist, kann und sollte es gestrichen werden.

- Fragen Sie sich zudem: Bewahre ich mir die Zuhörbereitschaft meines Publikums dauerhaft durch Menschlichkeit, Persönliches, Bilder, Humor, Abwechslung, Sprachschönheit und Sprachwitz?

- Ein letzter Blick auf Ihre Rede:

     - Bilder müssen stimmig sein und bis ins Detail passen. Halbherzige Bilder lösen Unverständnis und Verwirrung aus. Investieren Sie Extrazeit in die Kontrolle Ihrer Erzählbilder. Eventuell sprechen Sie diese jemandem vor.
     - Eigene Gedanken, Urteile und Bewertungen gehören unbedingt in die Rede, allgemeine Phrasen nicht!

     - Vorsicht vor „negativ behafteten Wörtern“ wie: Problem oder Krise etc.
     - Sprachästhetik ist herrlich, gestelzte, staubige Feierlichkeit ist furchtbar, z. B.:
            - „… ist uns eine Ehre und Verpflichtung zugleich …“,
            - „… hier und heute …“ oder
            - „… gebührend zu würdigen …“.

4.  Schluss

- Habe ich einen brauchbaren Schluss? Kanalisiere ich die aufgestaute Energie meiner Zuhörer:
     - Knackig?

     - Zukunftsweisend?

     - Emotionalisierend?

     - Sympathie werbend?

     - Zusammenfassend?

     - Appellierend?

5.  Zuletzt …

     - Suchen Sie nach „man“- Wörtern und ersetzen Sie diese mit „ich“ oder „wir“.

     - Nehmen Sie Ihre Substantive kritisch unter die Lupe und ersetzen Sie diese wo möglich durch Verben.

     - Machen Sie kurzen Prozess mit verschachtelten, verkorksten Sätzen. Kürzen Sie lieber – oder setzen Sie einen Punkt.
     - Dauert Ihre Rede nicht länger als 20 Minuten? Und wenn doch: Muss sie das wirklich? Höchstgrenze sind 45 Minuten. (Sollten Sie Ihre Rede ausgeschrieben haben, können Sie sich daran orientieren, dass 1.500 Wörter etwa zehn Minuten Redezeit bedeuten.)

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